Die Passform eines Bauchergebisses zu beurteilen, kann bei der ersten Verwendung dieser Gebissform etwas knifflig sein – insbesondere, wenn es um eine Baucherstange geht. Daher erreichen mich immer wieder Fragen zu diesem Thema, die ich in diesem Beitrag gerne aufgreifen möchte.

Ist die Baucherstange zu klein?

Meist geht es darum, dass meine Kundinnen am Pferd den Eindruck haben, dass das Bauchergebiss zu klein ist. In manchen Fällen stimmt dies auch tatsächlich, da sie zuvor ein Gebiss von einem Hersteller verwendet haben, der sehr großzügig mit dem Verhältnis Größenangabe zu Realmaß umgeht und der Auslaufbereich des Gebisses am Rand nicht mit gemessen wurde. Dementsprechend fallen die Gebisse dann im Realmaß größer aus. Bei López entspricht die Größenangabe sehr genau dem Realmaß. Größe 135 z. B. ist dann in Realität etwa 135 bis max. 137 mm lang. Ein weiterer Grund kann sein, dass das Pferd sehr fleischige und ausgeprägte Lippen hat. Auch in diesem Fall kann die Wahl einer Nummer größer angezeigt sein.

Und dann gibt es den zweiten Fall: das Gebiss sieht zu klein aus, ist es aber nicht unbedingt. Um diesen Fall zu demonstrieren, habe ich zwei verschiedene Gebissgrößen an meinem eigenen Pferd getestet.

Der Praxistest am Pferd

Mein Pferd trägt in 99,9% aller Fälle Größe 135. Für die Baucherstange, die wir im Alltag verwenden, habe ich ebenfalls die Größe 135 gewählt. Denn um eine präzise Einwirkung mit der Stange zu ermöglichen, ist es unerlässlich, dass diese passend sitzt.Wie auf der linken Seite der Bilderreihe zu sehen, sitzt das Gebiss dicht an den Maulwinkeln. Wird an einer Seite Zug am Zügel ausgeübt, schiebt das Seitenteil der gegenüberliegende Seite das Gewebe an den Maulwinkeln etwas zusammen und das Bauchergebiss kann seine seitliche Einwirkung „entfalten“.


Auf der rechten Bilderreihe trägt mein Pferd die Größe 145 mm. Im Stand sieht das an den Maulwinkeln recht komfortabel aus. Es entsteht zunächst der Eindruck, dass dies für das Pferd noch angenehmer ist, da mehr Platz am Rand für die Lippen bleibt. Sobald allerdings etwas mehr Zug auf einer Seite entsteht, schiebt sich (wie gehabt) auf der gegenüberliegenden Seite das weiche Gewebe an den Maulwinkeln zusammen. Und auf der Seite „mit Zug“ rutscht das Gebiss etwa einen Zentimeter aus dem Maul heraus. In der Folge hängt die Stange gewissermaßen „in der Luft“ und kann ein, für das Pferd unangenehmes, Eigenleben entwickeln. Ebenso wird die Gefahr des Verkantens größer. Trotz des guten ersten Eindrucks ist diese Größe für mein Pferd unpassend und zu groß.

Muss ich eine andere Größe wählen, wenn ich Gummi-Gebissscheiben verwenden möchte?

Die Gebisse von López sind noch echte Handwerkskunst. Dazu gehört auch die kantige Form der Seitenteile. Daher empfehle ich bei Pferden mit sehr empfindlichen Maulwinkeln die Verwendung von Gummi-Gebissscheiben, wie es auch bei den iberischen Kandaren gängige Praxis ist. Am einfachsten geht das Anbringen der Gummi-Gebissscheiben, wenn man diese zuerst über den Oberbaum und dann über den unteren Ring zieht. Auf den Fotos ist schön zu sehen, dass sich die Verwendung von Gebissscheiben nicht zwangsläufig auf die Größenauswahl des Gebisses auswirkt. Obwohl die Gebissscheiben meist eine Stärke von 5 mm haben, schmiegen sie sich auch ohne ein größeres Gebiss zu wählen, gut zwischen Maulwinkel und Seitenteil an. Dementsprechend würde ich bei diesem Pferd auch mit Gummi-Gebissscheiben die Größe 135 präferieren.